Monthly Archives: July 2013

Sea World

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So manch einer mag nun vermuten, dass hier ein Bericht über Meeressäuger folgt, die zur Belustigung von Menschen in viel zu kleinen Becken stumpfsinnig Tricks aufführen müssen. Außerdem erwartet man wohl bei diesem Posttitel auch Bilder über riesige schwarz-weiße Meeresbewohner, die für ein paar mini Fische aus dem Wasser an den Beckenrand gesprungen kommen. Tja alle die das nun gern gelesen und gesehen hätten, muss ich enttäuschen. Ja aber warum heißt der Post denn dann wie der berühmteste Meeressäuger Vergnügungspark?! Und warum zeigt das erste Bild hier dann die Metrostation Sea World? Eine Antwort auf die beiden Fragen habe ich leider auch nicht. Was ich aber sagen kann ist, keine Sorge auch mich hat das alles erst mal sehr verwirrt. Es hat ein paar Tage und einige intensive Erforschungstouren rund um die Gegend hier gedauert, bis mir dämmerte, dass ich nicht Shamu den Wal als Nachbarn habe. Die Chinesen haben einfach einen ziemlich bunten, sehr westlich gestalteten Platz auf dem es wirklich gute Restaurants und auch Bars/Clubs gibt, Sea World genannt. Es ist mir ein Rätsel warum, aber vielleicht dachten sie, alle nicht Chinesen fänden das aufregend und spannend und kommen in Scharen. Momentan wird das Ganze noch um eine riesige Mall erweitert, ich bin sehr gespannt. Etwas „waliges“ habe ich dann aber doch noch ausmachen können. Schaut euch doch mal die Bänke genauer an!

Die Gegend in der wir wohnen heißt Shekou und ich nenne es gerne das China ohne China. Als ich das erste Mal herkam, war ich mir kurz nicht sicher ob ich noch in China bin. Ich finde die Gegend sieht aus als hätte man versucht eine amerikanische Stadt im Süden nachzubauen, dazu hat man etwas den Touristenflair einer spanischen Insel gepackt, etwas hässliche 60er/70er Jahre Plattenbauten aus Deutschland mit reingemixt und fertig ist die perfekte Stadt für nicht Chinesen. Von denen sieht man hier wirklich auffällig viele, liegt vielleicht auch an den drei Internationalen Schulen die es hier gibt. Oder vielleicht auch daran, dass viele Apartments hier einen Meerblick versprechen und alle nicht Chinesen das wohl wahnsinnig gerne wollen, auch wenn das Meer wie im letzten Post berichtet, nicht wirklich, wie soll ich sagen, ansehnlich ist.
Wir wohnen jetzt mal recht untypischen nicht direkt am Meer, dafür gibt es bei uns ums Eck ein süßes Teehaus. Man denkt nun die Chinesen sind ja für ihren Tee bekannt, da ist so ein Teehaus nichts besonderes. Doch ist es und ich vermute, dass auch dieses vor allem für die nicht Chinesen eröffnet wurde (jeder Chinesen würde wahrscheinlich denken „ja spinn ich, so viel gebe ich doch niemals für einen schnöden Tee aus“). Wir, weil ja beide nicht Chinesen, wollten es aber dennoch testen. Das Teehaus ist wirklich super schön eingerichte und sehr gemütlich! Auch der Tee, um den geht es hier ja schließlich, sah wirklich toll aus und ich persönlich fand ihn auch super lecker. Aber der Preis war schon happig für ein wenig heißes Wasser (von dem bekommt zumindest einen refill) und ein paar Blüten, weshalb wir es in Zukunft wohl eher wie die Chinesen machen. Wir kochen uns den Tee daheim.

Zu guter Letzt möchte ich noch den Mexikaner im Sea World, gleich ums Eck vom The Terrace empfehlen! Hierfür bediene ich mich einfach eines Zitates: “Jetzt musste ich bis nach China fliegen, um so eine wahnsinnig geile Guacamole zu bekommen!”

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Take me to the beach

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Als ich erfuhr, dass wir die sechs Monate im Ausland in einer Stadt direkt am Meer verbringen würden, war ich sofort davon überzeugt, wer am Meer wohnt geht auch täglich darin baden. All den besserwisserischen Voraussagen, dass China sein Meer als riesige Mülldeponie für alles verwendet, von dem man nicht weiß wohin damit, schenkte ich keine Beachtung und hielt an meiner Vorstellung fest. Leider zeigte der erste Besuch des Meeres auf unserer Seite der Stadt, dass die Besserwisser nicht so ganz falsch lagen. Wer sich nach der ersten Geruchsprobe vielleicht noch versucht einzureden, es könnte schlimmer sein, der ist spätestens nach dem ersten Blick hinein davon überzeugt, dass diese Konsistenz, gemischt mit der seltsamen Farbe und den undefinierbaren Dingen die darin schwimmen, nicht wirklich gesund sein kann. Zum Glück fanden wir aber schnell heraus, dass es auf der anderen Seite der Stadt in Dameisha, tatsächlich einen echten Badestrand gibt. Als wir dann noch erfuhren, dass ein Bus direkt von unserem Haus dorthin fährt, war ich Feuer und Flamme. Also packten wir am Sonntag unsere Badesachen und machten uns auf den Weg. Wir rechneten mal grob mit anderthalb bis zwei Stunden Fahrt. Womit wir allerdings nicht rechneten, dass wir den Bus der wohl die am runtergefahrensten Stoßdämpfern hatte, erwischten. Zudem war in diesem Bus alles locker was nur locker sein kann. So war es dann, dank der unzähligen Schlaglöcher, eine wahnsinnig holprige, super vibrierende und extrem laute, ziemlich genau 1 Stunde 38 Minuten und 46 Sekunden, dauernde Fahrt.

Endlich angekommen war es dank der vielen kleinen Läden am Straßenrand, die allerhand nützliches und unnützes Strandzeugs verkauften, nicht schwer den Weg zum Meer zu finden. Nun da wir fast da sind und uns nur noch ein Sonnenschirm fehlt, den man aber recht günstig leihen kann, ist es wohl an der Zeit eine Warnung oder zumindest einen kleinen Hinweis niederzuschreiben. Für alle die den Strand am liebsten leer und ruhig mögen und außerdem das Wasser und den Weg dorthin Plastikmüll frei, ist dieser Strand so was von nicht geeignet. Wer dann doch lieber auf die Romantik, den wunderschönen Ausblick auf riesige Tanker (unten auf dem fünften Bild sehr schön zu sehen) die recht nah vor der Küste schippern, verzichten will. Dem empfehle ich wirklich, sich  irgendwo anders ein Plätzchen, für den perfekten Strandtag, zu suchen.
Chinesische Damen werden bei der Bademode recht schüchtern. Wo mir auf freier Straße noch Höschen, die knapper als mein Bikiniunterteil sind, ins Auge sprangen, kam ich mir hier nun viel zu freizügig vor. Außerdem haben wir gelernt, dass die Massen an kreischend bunten Schwimmreifen, nicht unbedingt für die Kinder vor Ort gedacht sind. Sondern vor allem für alle Anderen. Wir waren also ziemlich out und sehr alleine, wie wir da so ganz ohne bunte Schwimmhilfe im Meer planschten. Irgendwann wurde es dann immer voller um uns herum. Nachdem dann auch noch ein paar Chinesen auf uns zu kamen und ganz aufgeregt ein Bild mit uns machen wollten, beschlossen wir, dass es genug Aufregung für ein Tag war.
Auf dem Rückweg zum Bus kamen wir dann noch an einer Art Promenade vorbei. Dort reihten sich Massen an Getränke- und Grillständen vor den Supermärkten und Restaurants aneinander und aus einem kam ein nie gehörter Dancefloor Remix des Songs „Vamos a la playa“…
Ein perfekter Abschluss für diesen doch etwas anderen Strandtag!

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Hiking with Delfter

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Wer sich nun fragt mit wem genau ich denn da wandern war?! Nein Delfter ist weder mein Hund, der ganz Hollywood-like einen sehr ausgefallen Namen tragen sollte, noch mein Freund, dem seine Eltern einen besonders Mobbinggeeigneten Namen mit ins Leben geben wollten. Es ist ganz einfach das Muster auf meinen Shorts. Manch einer denkt nun vielleicht, ist das nicht dieses Muster das vorzugsweise Niederländer oder ältere Damen auf ihren Küchenfliesen oder auf dem Porzellan haben?! Ja genau diese blauen Zeichnungen, meist von Landschaften, Windmühlen, Jagdszenen oder feinen Damen haben Einzug in die Welt der Mode gehalten. Vor ein paar Wochen schon habe ich mir ein Blüschen mit Delftermuster gekauft und war wirklich sehr begeistert, dass ich hier nun auch noch diese tollen Shorts gefunden habe. Da ich eine kleine bis große Schwäche für alte Dinge und welch ein Glück auch noch für Porzellan mit Muster habe, bin ich natürlich sehr begeistert von diesem Trend. Bleibt nur noch zu sagen, diese Shorts sind perfekt um 100.000 Stufen in der prallen Sonne zu erklimmen.

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Shorts – UNIQLO, Blouse, Hat, Sunnies – H&M (old), Bag – Mango (old)

 

Up in the air

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Wie versprochen ein kurzer Bericht rund um die Erlebnisse bei der Verlängerung meines Visum.
Vorne weg möchte ich sagen, dass diese Geschichte vor allem vom Warten handelt. Wer für sowas keine Zeit hat, sollte also lieber nicht weiterlesen. Als guten Rat für jeden, der damit liebäugelt sein Visum hier in China zu verlängern, es ist hilfreich wenn man sich vorab einen Termin geben lässt. Grundsätzlich geht das recht einfach, auf der Website der Polizei kann man sich online einen Termin geben lassen. Dieser garantiert zwar nicht das wegfallen der Wartezeit, aber es kann sie deutlich verkürzen. Ich hatte zwar einen Termin, nur leider am falschen Ort, was mir einen schönen Nachmittag mit Warten einbrachte. Aber dies ist ja auch eine Geschichte über das Warten und das Üben in Geduld. Der Warteraum ist gut klimatisiert, es stehen überall Wasserspender für die Wartenden und zwischen den Stühlen, die aus bequemstem Metall gefertigt wurden, gibt es keine lästigen Armlehnen. Weshalb man auch beim Warten nicht auf sein Mittagschläfchen verzichten muss. Nach circa drei Stunden der ausgiebigen Beobachtung meiner mitwartenden Leidensgenossen, ging alles super schnell. Immer unter der Voraussetzung man hat alle Unterlagen dabei. Was ich auf jeden Fall noch empfehlen möchte, ist jemanden mitzunehmen der diskussionssicher der chinesischen Sprache mächtig ist. Die Damen dort sind nämlich nicht sehr hilfsbereit, wie mir schien etwas arbeitsfaul und falls sie Englisch können, wollten sie es bei mir nicht anwenden. Am Ende hat dann aber doch alles geklappt, ich darf erst mal weitere 30 Tage bleiben und habe noch dazu sieben der schrecklichsten Passbilder, mit denen ich nun Gruselkarten oder so basteln kann.

Für das Wochenende hatten wir uns vorgenommen, den Park direkt bei unserem Hotel näher unter die Lupe zu nehmen. Jeden Morgen strömen dort hochmotivierte Menschen in Sportbekleidung rein und wir dachten was die können, können wir schon lange. Für den Anfang hatten wir uns vorgenommen, mal eine kleine Runde zu drehen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Tja, daraus wurden dann recht schweißtreibende 2,5 Stunden, in der prallen Mittagssonne und gefühlte 100.000 Stufen. Oben angekommen, gab es dann eine schöne Aussichtsplattform auf der man kurz verschnaufen und das auf dem Weg verlorene Wasser wieder auffüllen konnte. Der Blick dort oben ist wirklich wunderschön und die ganze Anstrengung wert. Dennoch hätte ich das gewusst, hätte ich mich besser vorbereitet und auf den Stepper im Fitnessstudio am Tag davor verzichtet. Die Wege dort sind wirklich schön angelegt, es gibt eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren zu bewundern. Leider tummeln sich auch viele Stechmücken da, für die die Wanderer natürlich ein Festmahl sind. Am besten schaut ihr euch unten die Bilder an, die sind besser als jede Erzählung.

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